EthikJournal

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  • 12 Jg. (2026) Ausgabe 1

    Planetary Health

    Dieser Sommer 2026 ist ein neuer Sommer der Extreme: der heißeste Juni in Westeuropa, der je gemessen wurde; der Pegelstand des Rheins ist stellenweise so niedrig wie noch nie; Waldbrände historischen Ausmaßes in Frankreich, Spanien und Griechenland sind zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Heftes noch nicht unter Kontrolle.
    Dass der Klimawandel Einfluss auf die menschliche Gesundheit hat, können heute nur noch die Wenigsten übersehen. Immer neue Hitzerekorde fordern buchstäblich Opfer, in der Statistik werden sie als Hitzetote geführt. Neben Hitzewellen bergen Brände und Hochwasser Risiken für Leib und Leben. Weniger im unmittelbaren Lichte der Öffentlichkeit führen klimatische Bedingungen außerdem zu einem Anstieg von Infektionskrankheiten, zu Ernährungsunsicherheiten in vielen Regionen der Welt und zu einer Reihe von psychischen Erkrankungen. Auch soziale Konflikte und Zukunftsängste gefährden Gesundheit.
    Die aktuelle Ausgabe des EthikJournals macht solche Zusammenhänge zwischen planetarer und menschlicher Gesundheit aus ethischer Perspektive zum Thema und fragt nach deren Bedeutung für die Praxis sozialer Professionen.

  • 11. Jg. (2025) Ausgabe 2

    Inklusion: Herausforderungen und Perspektiven

    „Der Begriff ‚Inklusion‘ ist widerspenstig, weil […] die Praxis der Inklusion von einer Vielzahl von Widersprüchen geprägt ist“. Mit dieser These hat Sabine Schäper ihren Beitrag im Heft 2/2024 des EthikJournals eröffnet. Sie bringt damit die Überlegungen auf den Punkt, die uns in nunmehr zwei Schwerpunktheften des EthikJournals beschäftigen. Inklusion ist ein Menschenrechtsprinzip. Das gilt auf der Grundlage der UN-Behindertenrechtskonvention nicht nur in rechtlicher Hinsicht. Inklusion ist auch in ethischer Perspektive ein Imperativ, der die gesellschaftliche Teilhabe aller Menschen und insbesondere die Partizipation von Menschen mit Exklusions- und Marginalisierungserfahrungen zur Geltung bringt. Inklusion ist aber zugleich ein Begriff – und darauf weist Sabine Schäper hin –, der in Theorie und Praxis auf Widersprüche verweist. [...] Das vorliegende Schwerpunktheft schließt an diese kritische Diskussion an und führt sie weiter. Dabei wird eine leichte Schwerpunktverlagerung vorgenommen. Während es vor einem Jahr um die Reflexion von „Inklusion zwischen Anspruch und Wirklichkeit“ ging, verbinden wir im aktuellen Heft den Blick auf die widerspenstige Praxis von Inklusion stärker mit Orientierungen, wie Inklusion im Wissen um die Konflikte und Dilemmata gestaltet werden kann: „Inklusion: Herausforderungen und Perspektiven“.

  • 11. Jg. (2025) Ausgabe 1

    Demokratie als offene Lebensform

    Demokratie ist kein Selbstläufer. Was lange Zeit wohl eher als ein etwas abgenutzter Satz aus dem Politik- und Sozialkundeunterricht klang, wird uns aktuell in unmittelbarer und brisanter Weise bewusst. Nachrichten aus den USA machen beinahe täglich deutlich, wie fragil demokratische Ordnungen auch in dem Land sind, das häufig als die Wiege der Demokratie bezeichnet wird. Und auch in Deutschland gehen vermeintliche Selbstverständlichkeiten verloren. Im Aufstieg populistischer, extremistischer und dezidiert antidemokratischer Bewegungen, in polarisierten und zunehmend aggressiven öffentlichen Debatten, in der Bedrohung politisch oder zivilgesellschaftlich engagierter Menschen, zeigt sich ein Erosionsprozess dessen, was als fundamentale Voraussetzung der Demokratie betrachtet werden muss: die Anerkennung der Gleichheit, die Bereitschaft, im Gegenüber sich selbst zu erkennen, die Überzeugung, dass wir uns, trotz unterschiedlicher Interessen, Auffassungen und Bedürfnisse, nicht als Feind:innen sondern allenfalls als Konkurrent:innen gegenübertreten, die in der Lage sind, sich nach friedlicher aber durchaus kontroverser Auseinandersetzung auf einen Kompromiss zu einigen.

  • 10. Jg. (2024) Ausgabe 2

    Inklusion zwischen Anspruch und Wirklichkeit

    Inklusion ist ein Menschenrechtsprinzip. Dieser Satz dürfte im sozialprofessionellen Diskurs auf breite Zustimmung stoßen. Doch was bedeutet er? Inklusion ist heute ein so weit verbreiteter und vielfältig genutzter Begriff, dass einige Kritiker:innen ihn mit der Charakterisierung als ‚Containerbegriff‘ ablehnen. Gleichzeitig wird er je nach Kontext sehr eng allein für Aspekte der Teilhabe von Menschen mit Behinderungserfahrung genutzt. Inklusion in einem weiten Verständnis, das die Anerkennung aller Personen(gruppen) in ihrer Individualität und Heterogenität in den Blick nimmt, wird von manchen Kritiker:innen wiederum als illusorisch oder auch als Ideologie charakterisiert. Inklusion ist also nicht zuletzt eine normative Idee, über deren Grundlagen reflektiert und debattiert werden muss.

  • 10. Jg. (2024) Ausgabe 1

    Freiheit(en), die wir meinen

    Die Unterstützung einer selbstbestimmten Lebensführung in gelingenden Gemeinschaften ist für eine menschenrechtsbasierte Soziale Arbeit oberste Verpflichtung. Die International Federation of Social Work kleidet diesen normativen Sachverhalt in die Formulierung der „Befreiung des Menschen“ als Gipfelpunkt professioneller Sozialer Arbeit. Damit knüpft sie das Selbstverständnis Sozialer Arbeit unmittelbar an das anthropologische Grunddatum menschlicher Freiheit. Freilich ist das Verständnis menschlicher Freiheit durchaus strittig – in der öffentlichen Diskussion ebenso wie in der philosophischen oder auch sozialwissenschaftlichen Debatte.

  • 9. Jg. (2023) Ausgabe 1

    Moralische Belastungssituationen – Herausforderung für sozialprofessionelle Ethik

    Neue gesellschaftliche und strukturelle Herausforderungen, zunehmende professionelle Anforderungen bei gleichzeitiger Ressourcenknappheit und auch eine zunehmende Komplexität ethischer Fragestellungen und Konflikte verstärken in nahezu allen Berufen des Gesundheits- und Sozialwesens das Phänomen „moralischer Belastungssituation“. Unter diesem Phänomen verstehen wir das immer wiederkehrende Auseinanderklaffen zwischen dem normativen Anforderungsprofil des etablierten Berufsethos oder sogar der kodifizierten Professionsmoral („Ethikkodex“) einerseits und dem tatsächlich realisierten und realisierbaren beruflichen Handeln andererseits, das nicht selten im Widerspruch zu den normativen Verbindlichkeiten des eigenen Berufsstandes steht.

  • 8. Jg. (2022) Ausgabe 2

    Verletzlichkeit und Widerstandskraft als anthropologische Grunddimensionen – Überlegungen für sozialprofessionelle Kontexte

    Am 4.4.2022 hat der Deutsche Ethikrat der Öffentlichkeit seine Stellungnahme „Vulnerabilität und Resilienz in der Krise – Ethische Kriterien für Entscheidungen in einer Pandemie“ vorgestellt. Mit dieser Ausgabe des EthikJournals möchten wir die Überlegungen des Ethikrates aufgreifen und unter der Leitperspektive „Verletzlichkeit und Widerstandskraft als anthropologische Grunddimensionen – Überlegungen für sozialprofessionelle Kontexte“ in kritisch-kreativer Weise mit den Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit verbinden.

  • 8. Jg. (2022) Ausgabe 1

    Transformative Digitalisierung in der Sozialen Arbeit II

    Die vorliegende Ausgabe des EthikJournals versammelt den zweiten Teil der Beiträge zum in einer Doppelausgabe erscheinenden Themenschwerpunkt Transformative Digitalisierung in der Sozialen Arbeit. Die Beiträge dieses Schwerpunkts reflektieren Digitalisierungsprozesse (von Teilbereichen) der Sozialen Arbeit, besonders unter dem Fokus, welchen Zukunftsoptionen, Visionen und normativen Leitoptionen sie folgen – offen oder versteckt, bewusst oder unbewusst. Gleichzeitig werden Überlegungen zu den intendierten und nicht-intendierten Folgen digitaler Technologien und digitaler Kommunikation angestellt, um eine Grundlage für notwendige Reflexionen hinsichtlich der Möglichkeiten und Grenzen der Rolle der Sozialen Arbeit in diesen transformativen Prozessen auszuloten. Während in der ersten Ausgabe des Themenschwerpunkts (02/2021) einleitend vorrangig grundlegende Perspektiven auf digitale Transformationsprozesse angelegt wurden, fokussiert die nun vorliegende zweite Ausgabe (01/2022) tendenziell anwendungsorientierte Analysen, die u.a. auf konkreten Forschungsprojekten basieren.

  • 7. Jg. (2021) Ausgabe 2

    Transformative Digitalisierung in der Sozialen Arbeit I

    Die vorliegende Ausgabe des EthikJournals versammelt den zweiten Teil der Beiträge zum in einer Doppelausgabe erscheinenden Themenschwerpunkt Transformative Digitalisierung in der Sozialen Arbeit. Die Beiträge dieses Schwerpunkts reflektieren Digitalisierungsprozesse (von Teilbereichen) der Sozialen Arbeit, besonders unter dem Fokus, welchen Zukunftsoptionen, Visionen und normativen Leitoptionen sie folgen – offen oder versteckt, bewusst oder unbewusst. Gleichzeitig werden Überlegungen zu den intendierten und nicht-intendierten Folgen digitaler Technologien und digitaler Kommunikation angestellt, um eine Grundlage für notwendige Reflexionen hinsichtlich der Möglichkeiten und Grenzen der Rolle der Sozialen Arbeit in diesen transformativen Prozessen auszuloten. Während in der ersten Ausgabe des Themenschwerpunkts (02/2021) einleitend vorrangig grundlegende Perspektiven auf digitale Transformationsprozesse angelegt wurden, fokussiert die nun vorliegende zweite Ausgabe (01/2022) tendenziell anwendungsorientierte Analysen, die u.a. auf konkreten Forschungsprojekten basieren.

  • 7. Jg. (2021) Ausgabe 1

    Sozialökologische Transformation - Diskursfelder und Themen für die und in der Sozialen Arbeit

    Als zum Sommersemester 1996 in Berlin die erste eigenständige Professur für Ethik in der Sozialen Arbeit besetzt wurde, umfasste die Denomination auch einen Bereich, von dem der Frischberufene – er zeichnet zusammen mit der wissenschaftlichen Mitarbeiterin am ICEP, Regina Schwichtenberg, für das vorliegende EthikJournal die konzeptionelle Verantwortung – eine eher nur vage Vorstellung hatte: „Ökotheologie”. Zwar hatte er sich mit seinem Bewerbungsvortrag zum Thema „Alltägliche Lebensstile – eine Problemanzeige für die ökologische Diskussion Sozialer Arbeit in einer Überflussgesellschaft” offensichtlich auch in dieser Hinsicht als ausreichend kundig und qualifiziert erwiesen. Gleichwohl war die aus-drückliche Einbeziehung ökologischer Fragen in das Themenspektrum einer Ethik Sozialer Arbeit doch eher ungewohnt und – wie nicht zuletzt das Stichwort – „Ökotheologie” in der Fachcommunity Sozialer Arbeit noch erklärungsbedürftig. Daran änderte auch nichts die Tatsache, dass mit dem ökosozialen Ansatz von Wolf R. Wendt (ders. 1990) bereits wichtige Impulse für eine ökologisch sensible Soziale Arbeit vorlagen und etwa Silvia Staub-Bernasconi (1989) schon damals den Beginn sozialökologischen Denkens in der Sozialen Arbeit mit dem Wirken von Jane Addams um das Jahr 1900 terminiert hatte.

  • 6. Jg. (2020) Ausgabe 1

    Die Politik des Engagements – kritische Reflexionen

    Die vorliegende Ausgabe des EthikJournal durchzieht – zumindest auf den ersten Blick – ein thematischer Bruch. Dieser Bruch spiegelt gleichsam die gesamtgesellschaftliche Lage, in der sich nicht nur Deutschland, sondern weite Teile der Weltgesellschaft, spätestens seit der Qualifizierung der Corona-Krise als Pandemie durch die Weltgesundheitsorganisation am 11.3.2020, befinden. Die ersten beiden Beiträge sind noch ganz dem ursprünglichen Gesamtthema des diesjährigen Ethikjournals gewidmet: „Zur Politik des Engagements – kritische Analysen und Einschätzungen“. Den Herausgebern des Ethikjournals war es ein Anliegen, den seit Jahren zu beobachteten Hype des (bürgerschaftlich-zivilgesellschaftlichen) Engagements im Sozialwesen einer kritischen Würdigung zu unterziehen – Kritik hier im engen Sinne der von Immanuel Kant inaugurierten Bedeutung der Ermittlung von berechtigten Möglichkeiten und unüberwindbaren Grenzen beziehungsweise drohenden Deformationen. In diesem Sinne entfalten Ansgar Klein und Thomas Röbke auf der Basis des Zweiten Engagementberichts der Bundesregierung konzeptionelle wie ethische Implikationen bürgerschaftlichen beziehungsweise zivilgesellschaftlichen Engagements, wobei insbesondere deren Monetarisierung durch die professionellen Leistungserbringer und sozialstaatlichen Leistungsträger einer kritischen Aufmerksamkeit bedarf. Diese kritische Inblicknahme greift Christian Spieß auf und fokussiert näherhin das bürgerschaftlich-zivilgesellschaftliche Engagement im Kontext der religiösen Wohlfahrtsverbände.

    Im Hinblick auf die aktuellen Ereignisse haben sich die Herausgeber kurzfristig entschlossen zwei Beiträge aus der Diskurswerkstatt des Berliner Institut für christliche Ethik und Politik dieser Ausgabe des EthikJournals beizusteuern: Es ist zunächst ein Beitrag des Herausgebers selbst, in dem dieser verschiedene Entscheidungskonstellationen im Bereich des Gesundheits- und Sozialwesens diskutiert: die formale wie faktische Zuständigkeit für die gleichermaßen tiefgreifenden wie weitreichenden Einschnitte in das private wie öffentliche Leben zwischen Exekutive und Legislative; Priorisierungsentscheidungen im Bereich intensiv-medizinischer Versorgung (sog. ‚medizinische Versorgung‘); die Veralltäglichung von Triage-Entscheidungen auch im Bereich des Sozialwesens und nicht zuletzt der Beitrag religiöser grundierter Begleitung in Zeiten äußerster Versehrbarkeit. Tim Reiß greift dann seinerseits spezifische Tiefendimensionen der ethischen Diskussion um die medizinische Triage auf und diskutiert den Gehalt und die Reichweite einiger zentraler Kategorien, die in der aktuellen Diskussion im Zentrum stehen: Erfolgsaussicht, Maximierungsimperativ und utilitaristisches Gesamtnutzenkalkül.

  • 5. Jg. (2019) Ausgabe 1

    Pflege und Digitalisierung

    Mit dem Schwerpunktthema „Pflege und Digitalisierung“ greift das EthikJournal ein gegenwärtig ebenso dringliches wie kontroverses Thema auf. Der Einsatz von Assistenztechniken und Robotern, so das Versprechen, soll nicht nur Pflegekräfte entlasten – dies sei insbesondere vor dem Hintergrund eines drohenden ‚Pflegenotstands‘ dringlich –, sondern auch helfen, die Selbstbestimmung Hilfsbedürftiger zu erhalten und zu unterstützen. Doch ist diesem Versprechen zu trauen? Viele Betroffene – sowohl Pflegekräfte als auch Pflegebedürftige – stehen dem Einsatz digitaler Technik in der Pflege skeptisch gegenüber. Ist dies als ein bloß gefühlsmäßiger Vorbehalt zu verstehen? Oder ist dies vielmehr Ausdruck der realistischen und rational begründbaren Einschätzung, dass mit diesen Techniken durchaus erhebliche Gefahren für ein humanes Selbstverständnis der Pflege als zwischenmenschliches Beziehungsgeschehen verbunden sind? Vor dem Hintergrund dieser Fragestellungen hat das Berliner Institut für christliche Ethik und Politik (ICEP) der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin (KHSB) am 18.04.2018 ein Fachgespräch zum Thema „Menschlich mit Technik? Pflege im Zeitalter der Digitalisierung“ zusammen mit dem Deutschen Hospiz- und PalliativVerband und der Katholischen Akademie in Berlin organisiert. Und nicht zuletzt hat auch der Deutsche Ethikrat seine Jahrestagung 2019 unter das Thema „Pflege – Roboter – Ethik“ gestellt. Wir freuen uns, diese Diskussion in dieser Ausgabe des EthikJournals um einige wichtige Beiträge ergänzen zu können, die uns geeignet erscheinen, die Debatte in wesentlichen Hinsichten voranzubringen.
    Bei allen Differenzierungen im Detail und unterschiedlichen Akzentsetzungen kommen die folgenden Beiträge nämlich interessanterweise in vier wesentlichen Punkten überein: (1) Ethische Reflexion ist notwendig, bevor durch technologische Entwicklung Fakten geschaffen werden und eine bereits eingespielte Praxis sich durch Verstetigung und Gewöhnung gegenüber kritischen Anfragen an ihre ethische Legitimierbarkeit immunisiert hat. (2) Technik ist nie bloß ein neutrales Werkzeug. In Techniken sind immer auch gesellschaftlich vermittelte Wahrnehmungsweisen, Problem- und Situationsverständnisse eingeschrieben. (3) Technologische Entwicklungen sind in der Regel ambivalent, und dies gilt auch für die ‚Digitalisierung‘ der Pflege: Techniken, die den Erhalt von Selbständigkeit fördern, können auch zur Kontrolle und Überwachung eingesetzt werden. Techniken, die menschliche Sorge unterstützen, können diese auch verdrängen und ersetzen – wenn beispielsweise der Einsatz unterstützender Techniken zu einer Arbeitsverdichtung für Pflegekräfte führt. (4) Alle Beiträge kommen darin überein, dass digitale Bildung und Ausbildung nicht technokratisch und anwendungsbezogen verkürzt werden darf. Ein Ergebnis der vorliegenden Untersuchungen, das in seiner Bedeutung und Tragweite nicht überschätzt werden kann, lautet: Ethische Reflexionsfähigkeit, geisteswissenschaftliche und philosophische Bildung sowie ein Wissen um die gesellschaftlichen Voraussetzungen und Funktionen von Technik sind kein äußerlicher Zusatz, sondern müssen als integraler Bestandteil ‚digitaler Kompetenzen‘ begriffen werden.

  • 4. Jg. (2017) Ausgabe 2

    Suizidales Begehren im Altern und in Krankheit

    Die gesellschaftliche Diskussion darüber, was menschenwürdiges Sterben bedeutet, war in den vergangenen Jahren maßgeblich durch die in Fachkreisen, auf parlamentarischer Ebene und in der breiten Öffentlichkeit geführten Debatte um eine gesetzliche Neuregelung der (ärztlichen) Beihilfe zum Suizid geprägt. Mit dem Gesetz zur Strafbarkeit der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung, das die Beihilfe zum Suizid als Dienstleistung durch Einzelpersonen oder Vereine unter Strafe stellt, ist die ordnungspolitische Diskussion zu einem Ergebnis gekommen. Mit der rechtlichen Normierung dieser bestimmten Form der Beihilfe zum Suizid sind jedoch weder die normativen Fragen der Bewertung suizidalen Begehrens in Alter und Krankheit noch die medizinisch-rechtlichen Fragen des praktischen Umgangs mit dem Sterbewunsch in der Begleitung in der letzten Lebensphase geklärt.

    Eine Debatte um Suizidales Begehren im Altern und in Krankheit steht im Spannungsfeld von kulturellem Wandel, strafrechtlichen Normen, ethischen Fragen bezüglich der Begründbarkeit und des Sinns der Selbsttötung sowie Problemen im Umgang mit Patienten, die in der medizinischen Praxis, insbesondere der Psychiatrie Suizidale Begehren herausbilden. Um dieses Spannungsfeld hinreichend diskursiv zu erkunden, bedarf es also der Behandlun-gen des Themas „Suizidales Begehren im Altern und in Krankheit“ ausgehend von verschiedenen wissenschaftlichen Ansätzen. In dieser Ausgabe des EthikJournal sind Beiträge der Rechtswissenschaften, der Psychiatrie, der Philosophie und der Moraltheologie versammelt, um dieses Spannungsfeld zu bearbeiten.

  • 4. Jg. (2017) Ausgabe 1

    Strukturen ethischer Beratung in sozialprofessionellen Tätigkeitsfeldern

    Soziale Arbeit ist schon immer normativ hoch aufgeladen. Gerade ihr modernes Verständnis als Menschenrechtsprofession gilt vielen als Sinnbild für ein berufliches wie auch ehrenamtliches Engagement, an dessen Akteur*innen hohe moralische Anforderungen gestellt werden: Sie haben die menschenrechtlichen Ansprüche ihrer Adressat*innen nicht nur zu respektieren, sondern in vieler Hinsicht gegen Übergriffe Dritter zu schützen und überhaupt erst im Handgemenge gesellschaftlicher Alltagsbehauptungen gegen Stärkere zur Geltung bzw. zur Verwirklichung zu bringen.

    Die hohe moralische Emphase, mit der sich Soziale Arbeit für die menschenrechtlichen Ansprüche ihrer Adressat*innen zu engagieren beabsichtigt, lässt gelegentlich vergessen, dass ihre (beruflichen wie ehrenamtlichen) Tätigkeiten oftmals nicht nur weit hinter ihren eigenen moralischen Ansprüchen zurückbleiben – gelegentlich soweit, dass ihr Anspruch als Menschenrechtsprofession nur noch zynisch erscheint. Sondern verdrängt wird immer wieder auch die Tatsache, dass der Alltag Sozialer Arbeit regelmäßig mit Situationen konfrontiert, in denen moralische Verbindlichkeiten miteinander in Konflikt geraten und sich unvermittelt wie unausweichlich die Frage nach dem moralisch richtigen (weil ethisch gerechtfertigten) Handeln stellt.

    Angeregt durch erste Überlegungen und Diskussionen, die die Fachgruppe Ethik der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit in den letzten Jahren bereicherten, versammelt diese Ausgabe des EthikJournal Beiträge, die mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Akzentuierungen (Verfahrens-) Modelle ethischer Diskussion und Fallbesprechungen in den Handlungskontexten der Sozialen Arbeiten entwerfen und vorstellen.

  • 3. Jg. (2015) Ausgabe 2

    Soziale Arbeit in Kontexten von Zwang

    Professionelle Soziale Arbeit sieht sich in der Regel mit einer widersprüchlichen Ausgangssituation konfrontiert: Einerseits will sie die AdressatInnen ihrer Unterstützung zu einem Mehr an selbstgestalteter und darin menschen-würdiger Lebensführung verhelfen. Dies gebietet nicht nur ihr Selbstanspruch, die menschenrechtlichen Ansprüche ihrer AdressatInnen zu respektieren, zu schützen und zur Geltung zu bringen. Darin eingeschlossen sind natürlich vor allem auch die klassischen Freiheitsrechte eines Menschen, die in einer autonomen, also selbstverantwortlichen und selbstgestalteten Lebensführung gipfeln. Dies gebieten auch die einschlägigen gesetzlichen Grundnormen, wenn etwa das Erste Sozialgesetzbuch soziale Hilfen darauf verpflichtet, „gleiche Voraussetzungen für die freie Entfaltung der Persönlichkeit, insbesondere für junge Menschen, zu schaffen” (§ 1 Abs. 1 SGB I). Eine freie Entfaltung der Persönlich-keit setzt aber voraus, dass die Unterstützung selbst als Akt der (sozialberuflich assistierten) Freiheit erfolgt, will sie ihr zentrales Ziel nicht konterkarieren. Insofern ist die freiwillige Mitwirkung der Hilfeempfänger eigentlich ein zwingendes Erfordernis. Und genau hier wird die Widersprüchlichkeit der Ausgangssituation Sozialer Arbeit offenkundig: Denn andererseits ist schon die Lebenslage, in der die HilfeempfängerInnen einer sozialprofessionellen Unterstützung bedürfen, alles andere als ein Ausdruck freiwillig gewählter Lebensumstände, die unproblematisch eine freiwillige Entscheidung für oder gegen die Annahme eines Unterstützungsangebotes ermöglichen würden.

  • 3. Jg. (2015) Ausgabe 1

    Die Finanzierung sozialer Dienstleistungen

    Die vorliegende Ausgabe des EthikJournals enthält Beiträge, die sich auf die Gestaltung der sozialpolitischen Rahmenbedingungen für soziale Dienste beziehen, soweit sie Aspekte der Finanzierung betreffen. Die Annahme, dass der ökonomische Druck auf die Organisationen und Akteure der Sozialen Arbeit in den vergangenen Jahrzehnten gewachsen ist, dass mithin eine „Ökonomisierung” der sozialen Dienste zu verzeichnen ist, hat sich vor allem innerhalb der sozialprofessionellen Milieus, aber auch im sozialpolitischen und sozialethischen Diskurs als eine Art Narrativ herausgebildet. Fragen der Finanzierung sozialer Dienstleistungen werden deshalb gegenwärtig vor allem mit dem Hinweis auf diese angenommene Ökonomisierung diskutiert. Dabei wird dieses Motiv sowohl mit kritischer – das heißt verbunden mit der Kritik an einem zunehmenden Druck auf Organisationen des Drittes Sektors, der die Erbringung der eigentlichen sozialen Dienstleistungen erschwere – als auch in positiver – das heißt verbunden mit dem Hinweis auf Effizienz- und Effektivitätsgewinne – Stoßrichtung verwendet. Es ist weithin unstrittig, dass der ökonomische Druck auf die Organisationen, die sozialprofessionelle Dienstleistungen erbringen, erhöht wurde, während die damit verbundenen Wettbewerbseffekte umstritten sind – was wiederum, je nach Standpunkt, sowohl positiv als auch negativ bewertet werden kann.

  • 2. Jg. (2014) Ausgabe 2

    Sterben und Tod

    Fragen um Sterben und Tod haben derzeit Konjunktur: Die Öffentlichkeit Deutschlands bereitet sich in zahlreichen Wortmeldungen und Stellungnahmen auf eine parlamentarische Debatte des Deutschen Bundestages vor, in der um das Für und Wider eines strafbewehrten Verbotes organisierter Suizidbeihilfe oder einer Zulassung der ärztlichen Assistenz beim Freitod und vor allem aber um einen systematischen Ausbau der Palliativen Versorgung und Begleitung Sterbender gerungen werden wird – vermutlich in ähnlich zugleich engagierter wie nachdenklicher Weise, in der der Deutsche Bundestag vor einigen Jahren über die Neuordnung der gesetzlichen Bindungskraft von Patientenverfügungen diskutiert und entschieden hat. Etwas abseits, aber nicht minder relevant diskutiert die Fachöffentlichkeit erneut über jene Kriterien, die den Todeszeitpunkt eines Menschen zweifelsfrei indizieren sollen: Hirntod, Teilhirntod oder doch besser das frühere Kriterium des Herztodes, das 1968 durch die Harvard-Definition des Hirntodes abgelöst wurde?

  • 2. Jg. (2014) Ausgabe 1

    Zur ethischen Kritik professioneller Deutungs- und Wahrnehmungsmuster sozialer Probleme

    Max Weber notiert in seinem Aufsatz „Die ‚Objektivität’ sozialwissenschaftlicher und sozialpolitischer Erkenntnis“, der Anfang des 20. Jahrhunderts verfasst wurde: „Es gibt keine schlechthin ‚objektive’ wissenschaftliche Analyse des Kulturlebens oder der ‚sozialen Erscheinungen’ unabhängig von speziellen und ‚einseitigen’ Gesichtspunkten, nach denen sie – ausdrücklich oder stillschweigend, bewußt oder unbewußt – als Forschungsobjekt ausgewählt, analysiert und darstellend gegliedert werden.“ (Weber 1904/1985, 169) Wer nach den professionellen Deutungs- und Wahrnehmungsmustern sozialer Probleme fragt, der bewegt sich zwischen Erkenntnistheorie und Ethik. Wie eigentlich kommt es zu der Wahrnehmung sozialer Probleme und ihrer sozialprofessionellen Ausdeutung? Erst durch die Einführung von Differenzierungen und die Verwendung von Kategorien wird es möglich, Ordnung(en) zu schaffen und damit dem Denken und Handeln Orientierung zu geben. Denn Kategorien sind Ordnungseinheiten, die uns nicht nur ermöglichen, Erfahrungen zu deuten, sondern die uns überhaupt erst ermöglichen, Erfahrungen zu machen.

  • 1. Jg. (2013) Ausgabe 2

    Kindeswohl

    Ein staatlicher Eingriff in das Erziehungsrecht der Sorgeberechtigten ist rechtfertigungsbedürftig. Denn mit Blick auf das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, das die zentralen staatlichen System- und Werteentscheidungen kodifiziert, sind die „Pflege und Erziehung der Kinder […] das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht“. So jedenfalls wurde es vom Parlamentarischen Rat am 8. Mai 1949 beschlossen und in Artikel 6, Absatz 2 festgeschrieben. Zugleich ist eine staatliche Intervention in das natürliche Recht der Eltern offensichtlich auch rechtfertigungsfähig, denn der Staat hat zu prüfen, ob das natürliche Recht der Eltern bzw. die damit verbundenen Pflichten von ihnen auch tatsächlich wahrgenommen werden.

  • 1. Jg. (2013) Ausgabe 1

    Legitimation(en) sozialprofessionellen Handelns

    "Legitimation(en) sozialprofessionellen Handelns" – die fünf Beiträge der Erstausgabe des EthikJournals setzen sich mit einem fundamentalethischen Thema auseinander und diskutieren aus verschiedenen moralphilosophischen Theorietraditionen die Möglichkeit, das Handeln Sozialer Professionen ethisch zu begründen. Damit wird die gängige Arbeitsteilung zwischen einer auf konkrete Lösungen moralischer Probleme fokussierten Angewandten Ethik und einer auf die Begründungsdiskurse konzentrierten Allgemeinen Ethik aufgehoben bzw. es wird hervorgehoben, dass Angewandte Ethik und Allgemeine Ethik ineinander greifen.