EthikJournal

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    • Silke Gülker (Berlin)

      12 Jg. (2026) Ausgabe 1
      Planetary Health

      Editorial

      Dieser Sommer 2026 ist ein neuer Sommer der Extreme: der heißeste Juni in Westeuropa, der je gemessen wurde; der Pegelstand des Rheins ist stellenweise so niedrig wie noch nie; Waldbrände historischen Ausmaßes in Frankreich, Spanien und Griechenland sind zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Heftes noch nicht unter Kontrolle.
      Dass der Klimawandel Einfluss auf die menschliche Gesundheit hat, können heute nur noch die Wenigsten übersehen. Immer neue Hitzerekorde fordern buchstäblich Opfer, in der Statistik werden sie als Hitzetote geführt. Neben Hitzewellen bergen Brände und Hochwasser Risiken für Leib und Leben. Weniger im unmittelbaren Lichte der Öffentlichkeit führen klimatische Bedingungen außerdem zu einem Anstieg von Infektionskrankheiten, zu Ernährungsunsicherheiten in vielen Regionen der Welt und zu einer Reihe von psychischen Erkrankungen. Auch soziale Konflikte und Zukunftsängste gefährden Gesundheit.
      Die aktuelle Ausgabe des EthikJournals macht solche Zusammenhänge zwischen planetarer und menschlicher Gesundheit aus ethischer Perspektive zum Thema und fragt nach deren Bedeutung für die Praxis sozialer Professionen.

    • Andreas Lob-Hüdepohl (Berlin)

      12 Jg. (2026) Ausgabe 1
      Planetary Health

      Planetary Health Justice – ein neues Paradigma für die Ethik Sozialer Professionen?!

      Planetary Health gilt gerade in der klimapolitischen Debatte als neues Paradigma, das über den Aspekt der Gesundheit den alle und alles umfassende Anspruch einer menschenrechtsbasierten Ethik konsequent zur Geltung bringen will. Der Aufsatz rekonstruiert die wichtigsten Entwicklungslinien und normativen Anforderungen, die auch die (professionelle) Soziale Arbeit erfassen. Denn Planetary Health ist insbesondere durch den essentiellen Bezug auf Gerechtigkeitsfragen ein normativ hochanspruchsvolles Projekt. Die Einbeziehung moralischer Rechte auch von (nichtmenschlichen) Tieren oder aller Ökosysteme insgesamt stellt Soziale Arbeit zugleich vor die Frage, ob sie sich noch allein als Menschenrechtsprofession verstehen kann oder sich zu einer Eco-Rights-Profession weiterentwickeln muss. Selbst wenn sich dies nicht als nötig erweist, muss sie eine wichtige Akteurin einer Planetary-Health-Akteurin werden.

    • Ingo Stamm (Münster)

      12 Jg. (2026) Ausgabe 1
      Planetary Health

      Planetary Health, Post-Anthropocentric Social Work und Ecosocial Work: Einblicke in die internationale Debatte

      Planetary Health versteht Gesundheit als Ergebnis der Verwobenheit von individuellen, sozialen und ökologischen Bedingungen. Das Konzept hat sich im Gesundheitsbereich international etabliert, wird in der Sozialen Arbeit jedoch kaum rezipiert. Der Beitrag bringt daher mit Ecosocial Work und Post-Anthropocentric Social Work zwei Konzepte aus dem englischsprachigen Diskurs der Sozialen Arbeit mit Planetary Health zusammen. Im Zentrum steht die Frage, welche Schnittmengen bestehen und welche Implikationen sich für die Ethik der Sozialen Arbeit ergeben. Im Kontext des more-than-human turn kritisieren alle drei Konzepte den ethischen Anthropozentrismus und vertreten eine relationale Ethik. Für eine Neujustierung der Ethik der Sozialen Arbeit wären jedoch weitere konzeptionelle Konkretisierungen nötig.

      Planetay Health Ecosocial Work Post-Anthropocentric Social Work Posthumanismus Holismus Nachhaltigkeit

    • Marcel Schmidt (Darmstadt)

      12 Jg. (2026) Ausgabe 1
      Planetary Health

      Naturtheoretische und ethische Implikationen von Planetary Health

      Die im Planetary-Health-Konzept zum Ausdruck gebrachte menschliche Verantwortung für eine gedeihliche Entwicklung des gesamten Planeten ist theoretisch wie ethisch sehr voraussetzungsvoll und bislang noch kaum ausformuliert. Der vorliegende Beitrag will diese Lücke angehen. Es geht in diesem Beitrag aber nicht darum, dem Planetary-Health-Konzept weiter nachzuspüren, sondern um die Darstellung und Diskussion eines Natur- und Ethikverständnisses, das dieser Verantwortung gerecht werden könnte. Dafür wird auf das von Lovelock und Margulis entwickelte und von Latour politisierte Gaia-Modell der Natur zurückgegriffen, um daran anschließend die ethischen Implikationen des Modells herauszustellen und ihnen entlang des Vorschlags einer pluralistisch-holistischen Naturethik nach Martin Gorkes nachzugehen.

      Planetay Health Holismus Gaia Natur Ethik Transformation

    • Theresia Wintergerst (Würzburg)

      12 Jg. (2026) Ausgabe 1
      Planetary Health

      In Landschaften leben. Normative Anforderungen an Soziale Arbeit

      Ausgehend von den Herausforderungen der Landnutzung im Klimawandel erkundet der Beitrag soziale Prozesse der Landnutzung im Klimawandel und erörtert die Kompetenz, in Landschaften denken zu können und sich mit Landschaften verbinden zu können. Dabei wird von Landschaft als Kulturlandschaft ausgegangen, deren Gestaltung politischen Prozessen unterliegt. Der Beitrag stellt Bezüge zur Sozialen Arbeit mit ihrem Paradigma „Person – in – Environment (PIE)“ her. Einrichtungen Sozialer Arbeit sollen sich ihrer landschaftlichen Situiertheit bewusst sein und ihr Handeln darauf ausrichten. Dazu gehört ein Bewusstsein über die politischen Landnutzungskon-flikte im Klimawandel. Ernährung und Erlebnispädagogik sind konkrete Handlungsfelder, in denen sich die verantwortliche Situiertheit in Landschaften zeigt.

      Kulturlandschaft Landnutzungskonflikte Ernährung Erlebnispädagogik Ökologie soziale Einrichtungen

    • Lisa Dörfler (Berlin)

      12 Jg. (2026) Ausgabe 1
      Planetary Health

      Planetary Health in der Praxis Sozialer Arbeit

      Der Beitrag stellt am Beispiel der Rolle von Ernährung in der Sozialen Arbeit dar, wie Planetare Gesundheit als ethische Grundausrichtung in die Praxis integriert werden kann. Anknüpfend an die sozialarbeiterischen Grundwerte der Menschenrechte, Gerechtigkeit und Teilhabe wird herausgearbeitet, dass Ernährung weit mehr ist als die Versorgung mit Nährstoffen. Soziale Arbeit hat demnach vielmehr auch einen politischen Auftrag auf Strukturen hinzuwirken, die allen Menschen eine Ernährung ermöglichen, die die Planetare Gesundheit berücksichtigt. Anhand verschiedener Beispiele wird aufgezeigt, wie Planetare Gesundheit schon jetzt in der Praxis Sozialer Arbeit integriert wird.

      Planetare Gesundheit Gerechtigkeit Teilhabe Ernährungsarmut Ernährungssystem

    • Silke Gülker (Berlin) Ulf Liedke (Dresden/Leipzig)

      11. Jg. (2025) Ausgabe 2
      Inklusion: Herausforderungen und Perspektiven

      Editorial

      „Der Begriff ‚Inklusion‘ ist widerspenstig, weil […] die Praxis der Inklusion von einer Vielzahl von Widersprüchen geprägt ist“. Mit dieser These hat Sabine Schäper ihren Beitrag im Heft 2/2024 des EthikJournals eröffnet. Sie bringt damit die Überlegungen auf den Punkt, die uns in nunmehr zwei Schwerpunktheften des EthikJournals beschäftigen. Inklusion ist ein Menschenrechtsprinzip. Das gilt auf der Grundlage der UN-Behindertenrechtskonvention nicht nur in rechtlicher Hinsicht. Inklusion ist auch in ethischer Perspektive ein Imperativ, der die gesellschaftliche Teilhabe aller Menschen und insbesondere die Partizipation von Menschen mit Exklusions- und Marginalisierungserfahrungen zur Geltung bringt. Inklusion ist aber zugleich ein Begriff – und darauf weist Sabine Schäper hin –, der in Theorie und Praxis auf Widersprüche verweist. [...] Das vorliegende Schwerpunktheft schließt an diese kritische Diskussion an und führt sie weiter. Dabei wird eine leichte Schwerpunktverlagerung vorgenommen. Während es vor einem Jahr um die Reflexion von „Inklusion zwischen Anspruch und Wirklichkeit“ ging, verbinden wir im aktuellen Heft den Blick auf die widerspenstige Praxis von Inklusion stärker mit Orientierungen, wie Inklusion im Wissen um die Konflikte und Dilemmata gestaltet werden kann: „Inklusion: Herausforderungen und Perspektiven“.

      Ethik der Inklusion

    • Ulf Liedke (Dresden/Leipzig)

      11. Jg. (2025) Ausgabe 2
      Inklusion: Herausforderungen und Perspektiven

      Um Antwort wird gebeten. Versuch, Inklusion verantwortungsethisch zu denken

      Der Beitrag reflektiert Dilemmata, die in der Umsetzung des Menschenrechtsprinzips Inklusion erkennbar werden, in der Perspektive einer Verantwortungsethik. Dabei wird ein Verständnis von Verantwortung entwickelt, in dem pflichten-, folgen- und tugendethische Aspekte situationsbezogen zusammengeführt werden. Für die Bearbeitung von Dilemmasituationen ergibt sich die Notwendigkeit einer intensivierten Reflexion mit dem Ziel verbesserter Strategien und Prozesse auf professioneller, organisationaler und gesellschaftlicher Ebene. Dort, wo Inklusion trotz solcher Bemühungen mit exkludierenden Folgen verbunden ist, braucht es eine Unterbrechung der Exklusionsdynamik sowie das Bemühen, partizipativ alternative Strategien und Prozesse zu entwickeln.

      Ethik Sozialer Arbeit Ethik der Inklusion Verantwortungsethik Gesinnungsethik Pflichtenethik Folgenethik

    • Melanie Misamer (Göttingen)

      11. Jg. (2025) Ausgabe 2
      Inklusion: Herausforderungen und Perspektiven

      Teilhabe und Macht: Wie durch Machtsensibilität Teilhabe gefördert und Ausgrenzung verringert werden kann

      Der Beitrag betrachtet die Rolle von Macht in Teilhabe- und Ausgrenzungsprozessen innerhalb der Sozialen Arbeit. Macht kann konstruktiv zur Förderung von Teilhabe als auch destruktiv zur Verstärkung von Ausgrenzung angewendet werden. Die Notwendigkeit eines sensiblen Umgangs mit der Macht wird auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen diskutiert. U. a. neben einem Wissen über machtspezifische und sozialpsychologische Verzerrungseffekte beim Umgang mit Macht, sind insbesondere (berufsethische) Prinzipien bei der Entwicklung einer Machtsensibilität von Bedeutung, um Macht verantwortungsvoll und konstruktiv zu nutzen. Das vorgestellte Handlungskonzept der Machtsensibilität dient als Werkzeug zur Förderung von Teilhabe und zur Vermeidung von Ausgrenzung.

      Machtsensibilität Teilhabe Soziale Arbeit Berufsethik Ausgrenzung

    • Johannes Eurich (Heidelberg)

      11. Jg. (2025) Ausgabe 2
      Inklusion: Herausforderungen und Perspektiven

      Organisationale Spannungsfelder und ethische Aspekte inklusiver Organisationsentwicklung

      Der Aufsatz analysiert Spannungsfelder und ethische Aspekte organisationaler Inklusionsprozesse und grenzt dabei den Fokus auf Organisationen und deren Wirkung auf Teilhabechancen ein. Inklusion wird als menschenrechtsbasierter Prozess verstanden, der auf die gleichberechtigte Partizipation aller abzielt und dabei strukturelle Barrieren sowie Exklusionsrisiken kritisch reflektiert. Neben der Individualebene werden kollektive, organisationale Lern- und Entwicklungsprozesse thematisiert. Besondere Bedeutung erhalten Führungsethik, partizipative Organisationskultur und die Überwindung sozialer Ungleichheiten.

      Inklusion Organisation Ethik Partizipation Exklusion Organisationsentwicklung

    • Diana Schneider (Karlsruhe)

      11. Jg. (2025) Ausgabe 2
      Inklusion: Herausforderungen und Perspektiven

      Künstliche Intelligenz: Ein Motor für Inklusion?

      Seit einigen Jahren findet Künstliche Intelligenz (KI) zunehmend Anwendung in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen. Auch im Kontext der Teilhabeplanung und Inklusion eröffnen sich vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Dazu zählen u. a. generative KI, KI-basierte assistive Technologien sowie administrative Systeme, wie etwa KI-gestützte Systeme der Entscheidungsfindung zur Planung von Teilhabeleistungen. Dieser Beitrag konzentriert sich insbesondere auf KI-gestützte assistive Technologien und Anwendungen zur Bewertung von Teilhabeleistungen. Dabei werden sowohl die Chancen als auch die Risiken beleuchtet, um das Potenzial dieser Technologien für die Förderung von Inklusion zu beurteilen.

      Künstliche Intelligenz assistive Technologien KI-basierte Systeme der Entscheidungsfindung Inklusion Teilhabe

    • Beate Blank (Stuttgart)

      11. Jg. (2025) Ausgabe 2
      Inklusion: Herausforderungen und Perspektiven

      Inklusion zwischen Empowerment und (Für-) Sorge: Differenz und Interdependenz

      Die relationalen Prozesse des Ermächtigens und Handelns, Teilhabens und Mitgestaltens, Sorgens und Bewahrens sind interdependent verwoben. Sie werden ermöglicht, behindert oder blockiert durch die ihnen immanenten Machtverhältnisse. Im Erwerb von Handlungsfähigkeit und Handlungsmacht für ein gerechtes und gutes Leben sind wir als soziale und vulnerable Wesen autonom und abhängig zugleich. Eine Mensch und Natur umfassende Ethik der Gerechtigkeit, Gemeinschaftlichkeit und Achtsamkeit ist inklusiv. Praxen der Privilegien- und Machtteilung, des kritisch-reflexiven Zugangs zu Empowerment und Disempowerment beschreiben die Grundlagen einer neuen Professionalität der Antidiskriminierungs- und Ermächtigungsarbeit.

      menschenrechtliches Empowerment Macht und Ermächtigung sozialökologischer Care-Begriff feministische Ethik Caring and Empowering Community

    • Jens Wurtzbacher (Berlin) Silke Gülker (Berlin)

      11. Jg. (2025) Ausgabe 1
      Demokratie als offene Lebensform

      Editorial

      Demokratie ist kein Selbstläufer. Was lange Zeit wohl eher als ein etwas abgenutzter Satz aus dem Politik- und Sozialkundeunterricht klang, wird uns aktuell in unmittelbarer und brisanter Weise bewusst. Nachrichten aus den USA machen beinahe täglich deutlich, wie fragil demokratische Ordnungen auch in dem Land sind, das häufig als die Wiege der Demokratie bezeichnet wird. Und auch in Deutschland gehen vermeintliche Selbstverständlichkeiten verloren. Im Aufstieg populistischer, extremistischer und dezidiert antidemokratischer Bewegungen, in polarisierten und zunehmend aggressiven öffentlichen Debatten, in der Bedrohung politisch oder zivilgesellschaftlich engagierter Menschen, zeigt sich ein Erosionsprozess dessen, was als fundamentale Voraussetzung der Demokratie betrachtet werden muss: die Anerkennung der Gleichheit, die Bereitschaft, im Gegenüber sich selbst zu erkennen, die Überzeugung, dass wir uns, trotz unterschiedlicher Interessen, Auffassungen und Bedürfnisse, nicht als Feind:innen sondern allenfalls als Konkurrent:innen gegenübertreten, die in der Lage sind, sich nach friedlicher aber durchaus kontroverser Auseinandersetzung auf einen Kompromiss zu einigen.

    • Wolfgang Thierse (Berlin)

      11. Jg. (2025) Ausgabe 1
      Demokratie als offene Lebensform

      Was bedeutet Solidarität? Jahrestagung des Deutschen Ethikrates zum Thema „Gelingende Solidarität“ – Einleitungsreferat (vom 18.06.2025)

      Der Beitrag analysiert den komplexen Begriff der Solidarität im Spannungsfeld zwischen individueller Freiheit und gesellschaftlicher Verantwortung. Ausgangspunkt ist die Betrachtung historischer, kultureller und emotionaler Dimensionen sozialer Gerechtigkeit, anhand derer die Transformation von Solidaritätserfahrungen nachgezeichnet wird. Besonderes Augenmerk gilt der Funktion des Sozialstaats als institutionalisierte Form wechselseitiger Unterstützung, sowie den Spannungslinien zwischen freiwilliger und verpflichtender Solidarität. Abschließend problematisiert der Text ein zunehmendes Freiheitsverständnis, das individueller Selbstverwirklichung Vorrang vor kollektiver Verantwortung einräumt. Der Beitrag plädiert für ein erneuertes Verständnis von Freiheit und Solidarität als wechselseitig bedingte Grundlagen demokratischer Gemeinschaft.

      Solidarität Sozialstaat Pflicht Bereitschaft Gemeinschaft Verantwortung

    • Hille Haker (Chicago)

      11. Jg. (2025) Ausgabe 1
      Demokratie als offene Lebensform

      Der Kampf um die Demokratie. Katholizismus und Christlicher Nationalismus

      Die USA erleben derzeit eine Ära der Restauration, die von einem toxischen Zusammenspiel verschiedener Bewegungen geprägt ist. Die konservative Demokratiekritik wird radikalisert zu einem restaurativen Autoritarismus; die charismatisch-christliche Erweckungsbewegung bzw. Die traditionalistische-katholische Theologie wendet sich von den großen Kirchen ab; eine offensive, rechtlich und staatlich beförderte politische Bewegung treibt die Aufhebung der verfassungsmäßig vorgeschriebenen Trennung von Staat und Kriche voran. Die Vision von einer christlich-nationalistischen Gesellschaft mit einem autoritär geführten Staatsapparat bedarf einer kritischen Analyse. Der Beitrag zeigt anhand von Beobachtungen und Beispielen, wie der gesellschaftliche Umbau vonstattengeht und welche Faktoren dabei wichtig sind.

      Tea Party MAGA Bewegung christlicher Nationalismus politischer Messianismus Gender Ideologie Religionsfreiheit politischer Liberalismus postliberaler Rechtskonversativismus

    • Karsten Schubert (Berlin)

      11. Jg. (2025) Ausgabe 1
      Demokratie als offene Lebensform

      Identitätspolitik: Gefahr oder Grundlage der offenen demokratischen Lebensform?

      Der Artikel argumentiert gegen die weit verbreitete Kritik, Identitätspolitik sei eine Gefahr für die Demokratie und die offene Lebensform als ihre ethische Grundlage. Stattdessen wird Identitätspolitik als notwendiger Motor für die kontinuierliche Demokratisierung verstanden, da sie Wissen über Diskriminierung sichtbar macht und blinde Flecken der Mehrheitsgesellschaft korrigiert. Identitätspolitik verteidigt das Ideal einer offenen, auf Gleichheit und Freiheit gründenden demokratischen Lebensform und leistet einen zentralen Beitrag zur Anerkennung marginalisierter Gruppen. Der Text diskutiert die Ambivalenzen identitätspolitischer Praxis, grenzt demokratisierende von regressiver Identitätspolitik ab und betont deren Unverzichtbarkeit für eine liberale Demokratie und die damit verbundene Ethik der Offenheit.

      Identitätspolitik Liberale Demokratie Anerkennung Demokratisierung Diskriminierungskritik Universalismus

    • Sarah Häseler (Berlin)

      11. Jg. (2025) Ausgabe 1
      Demokratie als offene Lebensform

      (Wie) ist Demokratie lernbar?

      Eine lebendige Demokratie erfordert die aktive Mitgestaltung der Bürger:innen. Demokratie kann über demokratische Kompetenzen, Empathie und Prosozialität, dem uneigennützigen Verhalten, gelernt werden. Verschiedene Ansätze zur Demokratieförderung, wie Mentoring, Service-Learning, Gemeinwesenarbeit, Community Organizing und aufsuchende politische Bildung ermöglichen dies. Empirische Daten zeigen, dass politisches Vertrauen und Selbstwirksamkeit entscheidend sind, jedoch nicht automatisch zu einer demokratischen Haltung führen. Diskriminierung und soziale Ungleichheit gefährden die Demokratie; daher sind Schutzmaßnahmen und öffentliche Diskussionen notwendig. Eine starke demokratische Kultur erfordert Zeit, Engagement und infrastrukturelle Gelegenheiten, um Zugehörigkeit zu schaffen.

      Demokratieförderung Demokratiekompetenzen Prosozialität Mentoring Service-Learning aufsuchende politische Bildung

    • Silke Gülker (Berlin)

      11. Jg. (2025) Ausgabe 1
      Demokratie als offene Lebensform

      Kritik und Utopie in demokratischen Gesellschaften. Zur aktuellen Bedeutung einer alten Debatte (nicht nur) für die kritische Soziale Arbeit

      (Inwiefern) braucht (wissenschaftlich fundierte) Kritik ein Bild einer besseren, gewünschten Gesellschaft, um ethisch orientierend zu wirken? Der Beitrag setzt sich mit dieser Frage auseinander und erinnert dafür an Debatten, die lange Zeit im Zentrum der kritischen Theorie standen und die auch von der kritischen Sozialen Arbeit aufgenommen wurden. Mit Bezug zu den Arbeiten von Maeve Cooke wird ein Vorschlag diskutiert, wie Bilder einer besseren Gesellschaft so thematisiert werden können, dass sie nicht autoritär werden und gleichzeitig der Kritik nicht ihre Radikalität nehmen. Für die Wissenschaft Soziale Arbeit sind damit zum einen methodische Impulse verbunden, zum anderen impliziert der Vorschlag eine weitergehende Auseinandersetzung mit dem Topos der Menschenrechtsprofession.

      Ideologiekritik kritische Theorie Transzendenz Autoritarismus Bildverbot

    • Ulf Liedke (Dresden/Leipzig) Silke Gülker (Berlin)

      10. Jg. (2024) Ausgabe 2
      Inklusion zwischen Anspruch und Wirklichkeit

      Editorial

      Inklusion ist ein Menschenrechtsprinzip. Dieser Satz dürfte im sozialprofessionellen Diskurs auf breite Zustimmung stoßen. Doch was bedeutet er? Inklusion ist heute ein so weit verbreiteter und vielfältig genutzter Begriff, dass einige Kritiker:innen ihn mit der Charakterisierung als ‚Containerbegriff‘ ablehnen. Gleichzeitig wird er je nach Kontext sehr eng allein für Aspekte der Teilhabe von Menschen mit Behinderungserfahrung genutzt. Inklusion in einem weiten Verständnis, das die Anerkennung aller Personen(gruppen) in ihrer Individualität und Heterogenität in den Blick nimmt, wird von manchen Kritiker:innen wiederum als illusorisch oder auch als Ideologie charakterisiert. Inklusion ist also nicht zuletzt eine normative Idee, über deren Grundlagen reflektiert und debattiert werden muss.

    • Christian Spieß (Linz)

      10. Jg. (2024) Ausgabe 2
      Inklusion zwischen Anspruch und Wirklichkeit

      Gerechte Teilhabe im Horizont von Autonomie, Befähigung und Anerkennung. Ethische Grundlagen und Herausforderungen des Inklusionsparadigmas

      Das Konzept der Inklusion stützt sich vor allem auf das ethische Motiv der Autonomie: Menschen sollen, so weit wie möglich, ein selbstbestimmtes Leben führen können. In diesem Beitrag werden ethische Überlegungen über grundlegende menschliche Fähigkeiten sowie über die Bedeutung sozialer Anerkennung mit dem Prinzip der Autonomie ins Verhältnis gesetzt. Leitend ist dabei die Annahme, dass Befähigung und Anerkennung Bedingungen der Möglichkeit der Selbstbestimmung sind. Zugleich weist der ethische Diskurs aber auch exkludierende Gesichtspunkte auf, die im Beitrag thematisiert werden. Abschließend wird mit einem Rekurs auf das normative Prinzip der gerechten Teilhabe auf die Bedeutung sozioökonomischer Ressourcen für Autonomie, Befähigung und Anerkennung hingewiesen.

      Inklusion Sozialethik Gerechtigkeit Anerkennung Autonomie Befähigung