Ausgehend von den Herausforderungen der Landnutzung im Klimawandel erkundet der Beitrag soziale Prozesse der Landnutzung im Klimawandel und erörtert die Kompetenz, in Landschaften denken zu können und sich mit Landschaften verbinden zu können. Dabei wird von Landschaft als Kulturlandschaft ausgegangen, deren Gestaltung politischen Prozessen unterliegt. Der Beitrag stellt Bezüge zur Sozialen Arbeit mit ihrem Paradigma „Person – in – Environment (PIE)“ her. Einrichtungen Sozialer Arbeit sollen sich ihrer landschaftlichen Situiertheit bewusst sein und ihr Handeln darauf ausrichten. Dazu gehört ein Bewusstsein über die politischen Landnutzungskon-flikte im Klimawandel. Ernährung und Erlebnispädagogik sind konkrete Handlungsfelder, in denen sich die verantwortliche Situiertheit in Landschaften zeigt.
Kulturlandschaft Landnutzungskonflikte Ernährung Erlebnispädagogik Ökologie soziale Einrichtungen
Einleitung
Erreichen uns Nachrichten über die Rettung von Menschen, die in den Bergen unterwegs waren, wird oft auf falsches Schuhwerk oder Fehleinschätzung von Wanderrouten als Ursache dafür, dass diese Menschen in Not kamen und gerettet werden mussten, hingewiesen. Damit einher schwingt nicht selten Missbilligung, die davon ausgeht, dass Leichtfertigkeit im Spiel war und dass man sich in diesen Landschaften doch kompetenter bewegen solle. Der Berg sei kein Spielzeug, ist zu hören, man müsse doch auch etwas wissen über diese besondere Landschaft des Gebirges, in das man sich begebe. Wissen über diese Landschaft und praktische Fertigkeiten in der Bewegung in dieser ist hier gefragt. Trifft das aber nur auf Landschaften zu, die erhöhte Aufmerksamkeit von uns fordern, weil sie unwegsam sind oder Gefahren bergen? In diesem Beitrag soll die Aufmerksamkeit darauf gelenkt werden, dass Wissen und Fertigkeiten über das Leben in Landschaften gefragt ist von allen Bürger:innen und dass dies auch von Akteur:innen der Sozialen Arbeit zu fordern ist. Das Wissen über die Besonderheiten von Landschaften, das Verstehen von diesen als Ökosysteme ist im Zeitalter des Anthropozän nötig, um die Zusammenhänge zu verstehen, die vom menschlichen Handeln beeinflusst werden und damit politische Gestaltungsaufgabe sind. Zu diesem erforderlichen Wissen gehört auch ein Bewusstsein über Landnutzung im Klimawandel und die damit verbundenen Landnutzungskonflikte und die erforderlichen Landnutzungstransforma-tionen. Beispielhaft wird in diesem Beitrag ein Experteninterview mit Mitarbeiter:innen eines süddeutschen Moorschutzvereins einbezogen, das die sozialen Prozesse von Landnutzungstransformationen am Beispiel des Moorschutzes erhellt.
Landschaft als Kulturlandschaft
Was wird nun als Landschaft verstanden? Das Verständnis dieses Beitrags geht von der mitteleuropäischen Landschaft aus, die als Kulturlandschaft verstanden wird (Hampicke 2013, 9). Es geht also nicht darum, Landschaft als wild und unberührt zu verstehen, als einen Raum, der nicht vom menschlichen Handeln berührt ist und sein sollte, und gerade deshalb besondere Qualitäten aufweist. Vielmehr wird Landschaft als Kulturlandschaft verstanden, in der Qualität, Vitalität und Artenvielfalt durch ein langes stufenweises Zusammenwirken von technischen und gesellschaftlichen Kräften (Hampicke 2013, 9) entstanden sind. Nutzung, Arten- und Standortvielfalt sowie ästhetische Attraktivität entwickelten sich historisch. Zwei Beispiele sollen dies illustrieren. Die Magerrasen des Altmühltals mit den sie auszeichnenden Walcholdersträuchen und dem Artenreichtum entstanden durch die Beweidung mit Schafen. Wird diese Bewirtschaftung aufgegeben, so verbuscht die Landschaft; einher geht damit ein Verlust von Artenvielfalt. Im Bereich der Schwäbischen Alb lassen sich in der Landschaft hingegen große alleinstehende Eichen bewundern. Diese großen Bäume entstanden ebenfalls durch Bewirtschaftung. Durch Beweidung unter den Bäumen wurde einzelnen alleinstehenden Bäumen der Platz geschaffen, um sehr groß zu werden. Diese Beispiele lassen sich fortsetzen. Landschaften in ihrer Vielfalt und Schönheit sind auch Ergebnis menschlicher Landbewirtschaftung. Landschaft als Kulturlandschaft zu verstehen, verweist dabei auf die Geschichte. Landschaft ist in diesem Sinne ist als „Kulturerrungenschaft“ (Hampicke 2013, 9) zu verstehen. Doch nicht immer führt menschliche Nutzung von Landschaft zu positiven Qualitäten. „Durch die Entwicklung moderner Methoden in der Landwirtschaft und deren flächendeckende Verbreitung seit etwa 60 Jahren wurde sie in starkem Maße reduziert und wurde die Artenvielfalt gebietsweise ausgelöscht. Während die Wiederherstellung der Artenvielfalt innovative Konzepte verlangt, dürften Schädigungen der Ressourcen Böden, Gewässer und Atmosphäre durch strengere Anwendung bestehender Regelungen hinreichend zu verhindern sein.“ (Hampicke 2013, 9)
2.1 Landnutzung als politischer Prozess – Innovation und Exnovation
Die Tatsache, dass Menschen Landschaften umgestalten, ist dabei zunächst nicht grundsätzlich als schädlich für das Ökosystem Landschaft zu verstehen, allerdings kann menschliche Landnutzung schädlich sein und Krisen hervorrufen. Dies soll am Beispiel der Trockenlegung von Landschaften verdeutlicht werden. Die Klimarelevanz von bestimmten Landschaften ist am Beispiel des Erhalts des Regenwaldes bekannt. Laut Expert:innen des Moorschutz ist das Wissen über die Relevanz des Moores für den Klimaschutz immer noch ein Nischenwissen und nimmt bei jüngeren Menschen eher ab (Experteninterview Moorschutzverein 2026).
Moore trocken zu legen, und noch allgemeiner Landschaften zu entwässern, galt lange Zeit als Maßgabe der Landentwicklung. Diese sollte die Nahrungsmittelproduktion intensivieren. Nun wird mit dem Klimawandel deutlich, dass Moore eine wichtige Rolle bei der CO2-Bindung haben. Geht die Trockenlegung von Mooren weiter, so wird in großem Umfang CO2 freigesetzt. Im Umkehrschluss kann durch die Wiedervernässung von Landschaft-en CO2 gebunden werden. Wiedervernässung ist also zentraler Klimaschutz (Greifswald Moorzentrum, o. J.). Geschichtlich gesehen ist die Trockenlegung von Mooren politisch erzwungen worden und wurde von Gegenwehr und Protesten begleitet (Experteninterview Moorschutzverein 2026); denn die Landwirt:innen hatten vor der Trockenlegung der Landschaften durchaus ihre Wirtschaftsweise mit dieser durch Wasser geprägten Landschaft gefunden. Die jetzt im Zuge des Klimaschutzes geforderte Umkehr aus der Strategie der Trockenlegung von Landschaften, stößt nun abermals auf Widerstand, denn die vormals eingeführten Landbewirtschaftungen in der entwässerten Landschaft sollen nun wieder aufgegeben werden, während gleichzeitig das Wissen um die Nutzbarkeit von Feuchtgebieten und auch die Lieferketten der dort erzeugten Produkte verloren gegangen sind und wieder aufgebaut werden müssen.
Auch der Begriff der Flurbereinigung bringt zum Ausdruck, wie Landschaften ausgeräumt wurden, das heißt, Feldgehölze, Hecken, Wegraine, Tümpel wurden entfernt, um die Bewirtschaftung mit großen Maschinen günstiger zu machen. Ungenutzte Ecken und Winkel und die damit einhergehenden Kleinbiotope verschwanden zugunsten einer geometrischen vereinheitlichen Agrarlandschaft. (Hampicke 2013, 17) Nun aber fehlen genau diese Landschaftsbestandteile. Hecken beispielsweise schützen vor Erosion des Bodens durch Wind, Baumgruppen sorgen dafür, dass bei Starkregenereignissen nicht der Boden weggeschwemmt wird. Eine Wiederberauhung von Landschaft ist unbedingt nötig, um diese resilienter gegen Wetterereignisse, wie Trockenheit und Starkregen, zu machen, die im Klimawandel häufiger werden. Wasserwissenschaftler:innen diagnostizieren Probleme der Trockenheit als Ergebnis eines landnutzungsbedingten Klimawandels aufgrund des Fehlens von den genannten Landschaftsbestandteilen wie Feldgehölze, Tümpel und Hecken und der Auswirkungen auf den Wasserhaushalt. Sie konstatieren: „Nur ein intakter Landschaftswasserhalt kann das Problem der Trockenheit in der Fläche lösen.“ (Drewes/Auerswald u. a. 2021, 42)
In unserer Landnutzung sind also Exnovationen gefordert, um das Ökosystem zu stabilisieren. Als Exnovation werden die absichtsvolle und politisch intendierte Beendigung von nicht nachhaltigen Praktiken und Technologien verstanden (Bils/Töpfer 2024, 28). Diese waren, wie bei der Entwässerung der Landschaft und der Flurbereini-gung illustriert, einmal als Innovationen beworben und in politischen Prozessen durchgesetzt worden. Soll es nun einen Ausstieg aus der vormals beworbenen Innovation geben, bedeutet das, dass das dadurch Gelernte für die Akteur:innen der Landbewirtschaftung an Gültigkeit verliert. Damit sind tatsächliche Verluste oder Verlustängste, aber auch Entwertungserfahrungen verbunden. Die Schädigung der natürlichen Ressourcen fordert Pfadwechsel in der bestehenden Wirtschaftsweise und stellt die aktuell wirkenden Traditionen in Frage. Soziale Prozesse, in denen etwas aufgegeben werden muss, lösen Unsicherheit und Verlustängste aus. (Bils/Töpfer 2024, 227). Wird die geforderte Umsteuerung gelingen? Ist den gesellschaftlichen Akteur:innen, die diese fordern und betreiben, zu vertrauen? An solchen Fragen entzünden sich auch gesellschaftliche Konflikte um Landnutzung. Sowohl auf der Ebene der Gesetzgebung und deren konsequenten Anwendung, als auch auf der Ebene der regionalen Aushandlung des erforderlichen Pfadwechsels, wie auch auf der Ebene der politischen Kommunikation, müssen Wege gefunden werden, diese Transformationskonflikte aushandelbar zu halten, selbst wenn von einer großen Strittigkeit auszugehen ist. (Wintergerst 2025) Dabei ist die Tragweite dieser Konflikte dergestalt, dass sie nicht nur Expert:innen überlassen werden kann. Vielmehr bedürfen sie der politischen Deliberation im Rahmen einer informierten und sich informierenden Öffentlichkeit. Der demokratische Prozess hat diese Diskussion von einer zu einem bestimmten Zeitpunkt faktischen öffentlichen Meinung zu einer wohl überlegten öffentlichen Meinung bis zu verantwortlichen Entscheidungen zu führen. (Lafont 2021, 50)
2.2 Gesellschaftliche Dauerkontroverse um Landwirtschaft
Wie langfristig die gesellschaftlichen Kontroversen sein können, zeigt sich auch am Beispiel der Pfadwechsel in der Landwirtschaftspolitik. „Die Landwirtschaft ist dabei eine zentrale Form der Landnutzung, deren politische Rahmung strittig ist. Agrarwissenschaft und Flurbereinigung hatten in den zurückliegenden Jahrzehnten wenig Bewusstsein für die negativen Folgen der Vergrößerung, Zusammenlegung und Homogenisierung der bewirt-schafteten Agrarflächen. Ziel war die effiziente Verbesserung der Nahrungsmittelversorgung. Dies führte und führt zu einer Verarmung der Arten“ (Heißenhuber/Krämer 2023, 81). „Doch mittlerweile änderte sich die gesellschaftliche Erwartung an Landwirtschaft. Industrielle Landwirtschaft wird häufig abgelehnt, nicht zuletzt, weil es mehr Aufmerksamkeit für das Tierwohl gibt. Heißenhuber und Krämer (2023) konstatieren eine gesellschaftliche Dauerkontroverse, bei der Landwirt:innen sich vor folgendem Dilemma sehen: Produzieren sie landwirtschaftliche Erzeugnisse so, wie es sich ein Großteil der Bevölkerung vorstellt, dann können sie sich am Markt nicht behaupten; erzeugen sie so, wie es derzeit vom Markt honoriert wird, dann bekommen sie nicht die Akzeptanz und Wertschätzung der Bevölkerung. Dabei muss davon ausgegangen werden, dass billige Lebensmittel auch als Ersatz für Sozialpolitik funktionieren sollen, die dazu beitragen, dass Konsument:innen anteilsmäßig wenig für Nahrungsmittel ausgeben müssten (Heißenhuber/Krämer 2023, 79). Die externalisierten Kosten der so erzeugten Produkte sind jedoch enorm und müssen von der Allgemeinheit getragen werden (Heißenhuber/Krämer 2023, 80).“ (Wintergerst 2025, 144) Als Konsument:innen von Lebensmittel sind alle Bürger:innen in diese gesellschaftliche Kontroverse involviert und als Bürger:innen, die in ihren Landschaften leben, ebenso.
2.3 Gesellschaftliche Aushandlung von Landnutzungskonflikten
Doch nicht nur rund um die Landwirtschaft gibt es Nutzungskonflikte in Bezug auf Landschaften (Steinhardt/ Barsch u. a. 2012, 226). Es bestehen viele Nutzungsansprüche an Landschaft: in ihr sollen Lebensmittel produziert, und Energie erzeugt werden. In ihr werden Gewerbegebiete angesiedelt, um Kommunen politischen Handlungsspielraum über die Gewerbesteuer zu ermöglichen und Arbeitsplätze zu schaffen. In ihr werden Wohnungen gebaut, um die Wohnungsnot zu bekämpfen, Verkehrswege errichtet u. ä. Landschaft soll dazu der Biodiversität erhalten und nicht zuletzt soll Landschaft auch der Freizeit und Erholung dienen. Diese vielfältigen Ansprüche an die Landnutzung mit ihren Zielkonflikten müssen gesellschaftlich ausgehandelt werden (Schöbel-Rutschmann 2018, 313). Landnutzung ist Teil der politischen Aushandlung. Der Landschaftsarchitekt Schöbel-Rutschmann fordert hier gar einen Landschaftsvertrag (Schöbel-Rutschmann 2017).
2.4 Freizeit und Erholung in der Landschaft
Zu den Nutzungen, die gesellschaftlich verhandelt werden müssen, gehört auch die Nutzung der Landschaft für Freizeit und Erholung. Die Landnutzung im Kontext von Freizeit und Erholung verweist auf die Dimension des Erlebens von Landschaften. „Ans Meer“ oder „in die Berge“ sind dabei klassische Alternativen von Landschaften, die gewählt werden, um in ihnen etwas zu erleben bzw. sich in ihnen zu erholen. Dabei spielt auch das Schönheitsempfinden von Landschaft eine Rolle. Das Gebirge kann auch deshalb als schön empfunden werden, weil man sich dort dem Alltag enthoben fühlt. Der Mensch kann sich im Gebirge dem Erhabenen gegenüber erleben, die Selbständigkeit der Natur mit ihren Wechselwirkungen erleben, in ihrem Werden und Vergehen, die Staunen auslösen können (Treptow 2001). Gleichzeitig wird Landschaft dabei auf unterschiedliche Weise genossen: Am Strand ruhen, mit dem Campingbus durch Landschaften fahren, diese wandernd oder radfahrend durchqueren – vieles ist möglich. Nicht immer ist das Aufsuchen von Landschaften, die als besonders schön empfunden werden, verbunden mit dem nötigen Wissen und der Kompetenz, sich in ihnen so zu bewegen, ohne dass man sich selbst gefährdet und der Natur Schaden zufügt. Landschaftsnutzung zu Erholungszwecken kann auch schädliche Wirkungen mit sich bringen, wie am Beispiel des Flugverkehrs zum Zwecke des Tourismus oder am Beispiel des Skifahrens diskutiert wird.
Erholung findet aber nicht nur im Urlaub statt. Auch in der sogenannten Naherholung spielen Landschaften eine Rolle. In ihnen sind Spaziergänge möglich, vielleicht kann ein Lagerfeuer erlebt werden oder im Wald „gebadet“ werden und vieles mehr.
Vertraute Landschaft
Neben der Suche nach der Schönheit spielt aber auch die Vertrautheit mit der Landschaft eine Rolle. So schrieb der Journalist Christian Semler 2004 in der Tageszeitung in seinem Artikel: „Deutsche Landschaft. Auf vertrautem Boden“:
„Der Philosoph Jan Patocka hat die Liebe zur Heimat so definiert: Wir setzen den Fuß auf vertraute Erde und verbinden uns dadurch mit dem Universellen. Wir sperren uns nicht in der Landschaft ein, quasi in einem Verteidigungsakt, sondern „unsere“ Landschaft als Heimat wird uns Brücke zur Welt.
Diese Beziehung von Nähe und Ferne gilt für alle Landschaften. Meine Landschaft zum Beispiel sind die lang gezogenen Hügel der Uckermark. Obwohl sie nicht die Landschaft meiner Jugend sind, obwohl ich dort weder Haus noch Wohnsitz habe, fühle ich mich hier auf vertrautem Boden. Auf dieses Vertrautsein kommt es an und nicht auf unverwechselbare Schönheit.“
Es ist dem folgend auch die Vertrautheit mit Landschaften, die für Menschen Heimat bedeuten und in denen sich durch die Vertrautheit mit der Landschaft das Leben intensivieren kann. Dabei ist diese Heimat in der Landschaft eine, die einem eröffnet, sich „inmitten“ der Welt zu fühlen.
3.1 Vertraut werden mit Landschaften – Die Rolle von Sozialisation und Lernen
Vertraut sein mit Landschaft setzt dabei ein vertraut werden mit Landschaft voraus. Damit verbunden ist die Fragen, wie dieses Vertrautwerden entstehen kann. Ein erfahrener Mitarbeiter eines Moorschutzvereins, der sich langjährig für den Erhalt und die Weiterentwicklung eines Feuchtgebietes in Süddeutschland einsetzt, sieht die Vertrautheit und das Wissen über die Landschaft auch als Grundlage, diese schön zu finden: „Die Leute sagen alle, sie fahren in die Berge oder ans Meer. Wir müssen es schaffen, dass sie sagen: ‚Und wir fahren ins Moor‘“. (Experteninterview Moorschutzverein 2026, 64) Wissen um den Wert von Landschaften, in denen die Menschen leben, ist dabei genauso wichtig für den Prozess der Bewusstseinsbildung über Landschaften, wie Erlebnisräume in der Landschaft zu arrangieren. Eine Mitarbeiterin des Vereins klagt: „Wissen, wie Landschaften funktionieren gibt es nicht – vor allem nicht bei den Jungen“. (Experteninterview Moorverein) Gerade das Wissen über die Bedeutung der Moore sei kaum verbreitet, vor allem nicht bei jüngeren Menschen. Es sei immer noch ein Nischenwissen.
Wie wir uns in Landschaften bewegen, welche wir aufsuchen, weil wir sie als schön empfinden, was wir in ihnen sehen, was wir über sie wissen, ist auch geprägt durch Sozialisation und Lernprozesse. In diesem Zusammenhang beklagt die Mitarbeiterin des Moorschutzvereins, dass Städte und Gemeinden, die Moore vorzuweisen haben, sich nicht mit ihren Mooren brüsten würden. Dabei hätten sie doch einen besonders wertvollen Naturraum. Weil jedoch Moore vor der Trockenlegung nicht als landwirtschaftlich günstige Lagen galten, vielmehr mit Armut konnotiert waren, gibt es bis heute keine Identifizierung mit den Werten, die diese Landschaften bedeuten (Experteninterview Moorschutzverein 2026, 66). Dieses Wissen fehlt auch jetzt in der Breite – auch nachdem die Bedeutung dieser Landschaften hervortritt. Das Vertrautmachen mit Landschaften spielt also eine wichtige Rolle. Es geht um den Prozess, in dem sich Menschen mit Landschaften verbinden, wozu auch Wissen über das Funktionieren von Landschaften beiträgt. Wie wir Landschaften erleben und wie wir sie nutzen ist auch das Ergebnis von Sozialisation und Lernen und unterliegt geschichtlichen Prozessen. Kenntnisse über die Spezifika bestimmter Naturräume stehen dabei in einem sich wechselseitig verstärkendem Verhältnis mit der Vertrautheit mit Landschaftsräumen.
3.2 Landschaft als Natur – Natur als Grenzerfahrung und Resonanzraum
Wenngleich Landnutzung und Landschaftserleben Lern- und Sozialisationsprozessen unterliegt, bedeutet das Leben in Landschaften auch, mit natürlichen Prozessen konfrontiert zu werden, die soziale Prozesse überschreiten. Natur unterliegt eigenen Rhythmen und Gesetzen, die nicht gänzlich kontrollierbar sind. Diese müssen im Umgang mit Natur berücksichtigt werden durch Einsicht in diese und Verständnis derselben. Umgang mit Natur ist in diesem Sinne auch immer eine Grenzerfahrung, da man Natur zwar gestalten und bebauen kann, natürliche Prozesse aber nicht vollkommen beherrschen kann. Dies ermöglicht bestimmte Erfahrungen: Landschaft als Natur wird als erhaben erlebt (Treptow 2001), die einen zeitweise aus dem Alltag entheben kann. Damit verbunden ist eine Relativierung des Selbst und die Erfahrung der Unverfügbarkeit (Rosa 2020). Der Mensch kann von Landschaften affiziert werden, und in ihnen Resonanz erleben (Rosa 2020, 38). Gerade diese Erfahrung kann auch Quelle der Verbundenheit werden. Im Landschaftserleben kann der Mensch die unverfügbare Natur und sich ebenfalls als Natur erleben, deren Grenzen berücksichtigt werden müssen.
Normative Konsequenzen im Lichte von planetary health
Welche normativen Konsequenzen können nun aus dieser Skizze des menschlichen Lebens in Kulturlandschaften gezogen werden? Das normative Konzept von planetary health, das die wechselseitige Abhängigkeit von menschlicher und planetarer Gesundheit betont, gibt darauf Hinweise. Darin wird auch die emotionale Verbindung mit Landschaften erwähnt, die in Bildung und Erziehung zu stärken sei. Die für das planetary health Konzept maßgebliche Canmore Erklärung fordert im sechsten Statementent: „We should educate on the importance of emotional connections to the land” (Conference Report 2018, 3). Sowohl Wissen aber auch Erleben von Landschaft ist demnach wichtig dafür, sich mit Landschaften verbinden und in Landschaften denken zu können. Dazu gehört in Zeiten des Klimawandels auch das Bewusstsein über die Bedeutung von Transformationsaufgaben in der Landnutzung und deren politischen Kontroversen. Landschaft kann resilienter gegen die Folgen des Klimawandels gemacht werden, in dem die Landschaft durch große Pflanzungen gegen Bodenerosion und Wasserverluste sowie Starkregenereignisse geschützt werden kann. Anbaumethoden der Landwirtschaft können Böden schädigen oder verbessern. Der Erhalt von Mooren oder deren Wiedervernässung kann CO2 binden. Wenn dies nicht gelingt, können trockenfallende Moore sehr viel CO2 freisetzen. Anbaumethoden können Biodiversität fördern oder verhindern. Mit den Weichenstellungen verbunden sind Pfadwechsel in der herrschenden Landnutzung, die mit gesellschaftlichen Konflikten einhergehen und die von allen verantwortlich ausgehandelt werden müssen. Gesellschaftliche Akteur:innen müssen sich hier verantwortlich in diesen politischen Prozess begeben.
Die Einhaltung planetarer Grenzen zum Erhalt der „Bewohnbarkeit“ (Chakrabarty 2022, 143) des Planeten erfordert einen sorgsamen Umgang mit den Landschaften, in denen wir leben. Kein:e gesellschaftliche:r Akteur:in sollte sich dieser Verantwortung entziehen. Landschaftsbewusst leben bedeutet auch Standortverbundenheit als Situiertheit in Landschaften, für deren Gestaltung Verantwortung übernommen wird. Dazu gehört es, die Reichweite und Intensität der Landnutzung kritisch zu reflektieren und die Bereitschaft zur (Selbst)Begrenzung. Für diese Reflexion nötig ist auch das Wissen über die mit Landnutzung verbundenen gesellschaftlichen Transformationskonflikte und die Bereitschaft, diese im Sinne der Verantwortung für die Ökosysteme demokratisch auszutragen.
Bewusstheit über die landschaftliche Situiertheit als normative Konsequenz in der Sozialen Arbeit
Ökologie ist eine Begrifflichkeit, die auch in der Sozialen Arbeit verwendet wird. Ein prominentes Beispiel ist das Werk von Germain/Gitterman über das „Life Model of Social Work“, das erstmals 1980 erschien. Wolf Rainer Wendt kommentierte in der Ausgabe von 1999 im Vorwort die dortige Verwendung des Begriffs Ökologie: „Im Hinblick auf die Praxis ist Ökologie für die Autoren eine Metapher. Das Life Model, wie sie ihre Vorlage für die Gestaltung Sozialer Arbeit nennen, nimmt natürliche Lebensprozesse als Vorbild und „modelliert“ ihnen entsprechend die Praxis“ (Wendt 1999, VII). Die auch in dieser Theorie in den Blick genommenen Transaktionen zwischen Menschen und ihren Umwelten wurden prägend für das Verständnis des Gegenstands Sozialer Arbeit. Sigrid James und Juri Kilian formulieren am Beispiel der USA: „Die Sozialarbeitspraxis orientiert sich an der „Person-in-Environment“ (PIE) Perspektive, die als der konzeptionelle Rahmen für die SozArb gilt“ (James/Kilian 2021, 778). Wesentlich ist hier, Personen und ihre Umgebungen als komplementäre und wechselwirkende Teile eines Ganzen zu betrachten (Wendt 1999, S. VII).
Der Klimawandel, der auf die planetaren Grenzen verweist und die Bewohnbarkeit der Erde bedroht, macht deutlich, dass die metaphorische Verwendung des Ökologiebegriffs, der auf die Wechselwirkungen und Abstimmung von Personen und sozialen sowie institutionellen Umwelten zwischen diesen abzielt, zu kurz greift. Vielmehr ist die Reflexion der Naturverhältnisse, die im PIE-Paradigma angelegt ist, an der Tagesordnung. Mit dem Begriff der Umwelten sind eben nicht nur soziale, sondern auch natürliche Umwelten in den Blick zu nehmen. Wendt schließt auch: “´Umwelt´ schließt die soziale Umgebung und die natürliche bzw. naturgegebene Umwelt ein. […] Soziale Arbeit geschieht in Verantwortung für ein human gestaltetes Dasein in der Gesellschaft. Die ökologische Perspektive rückt die Transaktionen in den Blick, die im Kontext eigenen und gemeinsamen Lebens vor sich gehen, so wie es gestaltet ist, sich entwickelt, beeinträchtigt oder im Gemeinwesen durch Soziale Arbeit gefördert wird.“ (Wendt 1999, VIII; in: Germain/Gitterman 1999)
Im jüngeren Ansatz Green Social Work werden konsequenterweise auch die Abhängigkeiten zwischen Menschen und ihren sozio-kulturellen, wirtschaftlichen und physischen Umwelten betrachtet; um sowohl die Umwelt zu schützen als auch das Wohlbefinden der Menschen zu fördern (Dominelli 2018)[1] . Der Ansatz geht von durch den Klimawandel verursachten krisenhaften Entwickl-ungen aus und fordert, nachhaltige und soziale Praktiken zu entwickeln. Lena Dominelli thematisiert denn auch die Aufgaben von Sozialarbeiter:innen, in der von ihr entworfenen Green Social Work: „It involves Social workers closely with people in their communities in and through their every day life practices to […] develop and empowering sustainable relationships between people and their environments” (Dominelli 2012, Kapitel 10).
In anderen Worten: Einrichtungen Sozialer Arbeit sollten nicht landschaftsvergessen agieren. Vielmehr sollten sie sich das Wissen um die spezifische Landschaft, in der die Einrichtung verortet ist, erschließen. Dabei soll in den Einrichtungen auch Bewusstheit über die landschaftsrelevanten politischen Themen und Transformationskonflikte gebildet werden. Einrichtungen sollen sich verantwortlich in den Prozess der politischen Deliberation begeben.
5.1 Ernährung
Einrichtungen sind dabei in der Entwicklung und Verankerung von nachhaltigen Praxen organisationsethisch gefordert. Einrichtungsleitungen und ihre Teams können durch ihr Engagement entsprechende Routinen des verantwortlichen Agierens in Landschaftsräumen vorantreiben. Ernährung beispielsweise gehört zu den Alltagserfordernissen vieler Einrichtungen Sozialer Arbeit (Rose 2021, 226), die auch die Versorgung mit Lebensmitteln als Aufgabe haben. Über Ernährung kann der Bezug zur umgebenden Landschaft hergestellt werden. Einrichtungen können ihre Lebensmittel aus der Region beziehen und bestrebt sein, diese Nahversorgung auszubauen. Es können beispielsweise zwischen Einrichtungen und Höfen sowie lokal Produzierenden persönliche Beziehungen entwickelt werden, auch mit dem Ziel, die Verbindung zwischen Einrichtung und Landbewirtschaft-ung vor Ort zu stärken. Dies kann unter anderem dazu führen, dass Konzepte von außer-Haus-Verpflegung verwirklicht werden, in denen ökologische Erzeugnisse aus der Region verwendet werden. Ernährung und Hauswirtschaft scheinen zwar nicht zu den einschlägigen sozialarbeitswissenschaftlichen Themen zu gehören. „Hauswirtschaft und Ernährung gehören jedoch seit jeher um Alltag Sozialer Arbeit“ (Rose 2021, 238). Hauswirtschaft und Ernährung sind Alltagserfordernisse in vielen Einrichtungen Sozialer Arbeit. Auch in der pädagogischen Arbeit spielt Ernährung eine Rolle. Die Förderung von Ernährungskompetenzen zum Beispiel dient dazu, dieses Alltagserfordernis im selbständigen erwachsenen Leben gestalten zu können. Das spielt sowohl in der Jugend- als auch in der Familienhilfe eine Rolle. Ein Bestandteil der Ernährungsbildung kann hier auch das Bewusstsein über die Erzeugung von Lebensmitteln im Landschaftsraum sein. Gerade Lebensmittel können also ein Medium sein, Wissen und Verbindung mit der Landschaft, in der man situiert ist, zu entwickeln.
Grundsätzlich geht es darum, den Menschen, deren Lebensführung Soziale Arbeit begleitet, den Kontakt mit der Landschaft, in der sie leben, zu ermöglichen und die Vertrautheit damit zu fördern. Landschaft kann der Regeneration dienen und eine Ressource darstellen. Sie fordert uns aber auch auf, Zusammenhänge zu verstehen. Aufgabe ist hier zum einen Wissensvermittlung als auch das Möglichmachen von Erleben in der Landschaft.
5.2 Erlebnispädagogik und Landschaft
Das Erleben von Landschaft hat eine Bedeutung für das Vertrautwerden mit Landschaft. Dem Erlebnis und seiner Einbettung in den vergangenen Lebenskontext wird eine „hohe bildende Kraft“ zugeschrieben. (Witte 2002, 21) Erlebnisse werden im Rahmen von pädagogischem Handeln oft in der Landschaft arrangiert. Flüsse, Meere, Felsen, Berge, Wälder, Wüsten und Seen werden für erlebnispädagogische Aktivitäten genutzt (Muff/Engelhardt 2013, 6-7). Im Rahmen von Erlebnispädagogik wird in Felsen geklettert, Kanu gefahren und gesegelt. Mountain-biking oder Höhlentouren können ebenfalls Aktivitäten sein, die im Rahmen von Erlebnispädagogik stattfinden. Erlebnispädagogik wird als Handlungsmethode Sozialer Arbeit beschrieben, die insbesondere in der Jugendarbeit und Jugendhilfe verbreitet eingesetzt wird, auch für Menschen, die als pädagogisch schwer zu erreichen gelten. (Stüwe 2021, 236-237) Über den Eindruck, der durch ein dem Alltag enthobenes Ereignis entsteht, kann ein Erlebnis für die Person entstehen, das die Persönlichkeit bildet, und die durch Ausdruck und Reflexion in das Alltagsleben transferiert werden kann. (Michl 2009, 10)
Dabei wird von Erlebnispädagogik häufig auf die Natur als Erlebnisraum zurückgegriffen und diese entsprechend arrangiert: „Die umgebende Natur ist Medium, Projektionsfläche, Katalysator oder Lehrmeister – je nach der pädagogischen Intention“ (Kraus/Schwiersch 2005, 49). Die In-Dienst-Nehmung von Landschaften in der Pädagogik verschafft zwar die Chance auf ein Erlebnis, ist aber auch mit Störung verbunden. Besteht also „eine unvermeidbare Schuld“ (Heckmair/Michl 2018, 250) zwischen Naturnutzung und Naturschutz in der Landschaft in der Erlebnispädagogik? Die notwendige Beachtung von ökologischen und umweltpolitischen Aspekten in der Erlebnispädagogik wird schon vor über 20 Jahren gefordert (Muff 2001) und auch von Akteur:innen der Erlebnis-pädagogik selbstkritisch vermisst (Heckmair/Michl 2018, 250ff.) Doch finanzielle Zwänge und die damit verbundenen standardisierten Vorgehensweisen bremsen diese Beachtung (Isenmann 2023) von ökologischen Aspekten und so besteht die Gefahr, Landschaft als Labor zu benutzen, das den Umgang mit Grenzerfahrungen ermöglicht, ansonsten aber die Landschaft, über die es etwas zu wissen gibt, vernachlässigt. Das Leben in Landschaften sollte aber vor allem in Zeiten des Klimawandels Teil der politischen Bildung sein, auf die nicht verzichtet werden darf. Erlebnispädagogik in Naturräumen kann vertraut machen mit Landschaften. Landschaft sollte dabei nicht auf einen Erlebnisraum außerhalb des Alltags reduziert werden. Erlebnispädagogik sollte auch mit Bewusstseinsbildung über gesellschaftliche Fragen der Landnutzung und Landnutzungstransformation in den spezifischen Landschaftsräumen verbunden werden.
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[1] Zu den unterschiedlichen Konzepten, die den Verantwortungsbereich der Sozialen Arbeit auf die nicht-menschliche Mitwelt auszuweiten suchen, siehe auch der Beitrag von Stamm in diesem Heft. ↑
Schluss
Die landschaftliche Situiertheit zu reflektieren, ist für Einrichtungen der Sozialen Arbeit und für die Menschen, deren Lebensführung Soziale Arbeit begleitet, gleichermaßen von Bedeutung. Denn die Landnutzung und ihre Transformation, einschließlich der damit einhergehenden Konflikte im Klimawandel sind Teil des politischen Deliberationsprozesses, dem sich gesellschaftliche Akteur:innen nicht entziehen sollten, da sie von großer Tragweite sind. Dazu braucht es Wissen über und das Erleben von Landschaften, damit Menschen sich mit Landschaften verbinden und in Landschaften denken können. Am Beispiel der Ernährung, der Ermöglichung von Landschaftserleben in der Erlebnispädagogik und der politischen Bildung über Transformationskonflikte in der Landnutzung wurden Themen einer Sozialen Arbeit skizziert, die sich ihrer landschaftlichen Situiertheit bewusst ist. In der konkreten Erschließung von Wissen über die Landschaften, in denen Einrichtungen und erlebnispädago-gische Angebote situiert sind, ist die Kooperation mit Institutionen, Expert:innen und Disziplinen, die die Disziplin und die trägereigenen Kompetenzen überschreiten, zu suchen. Gleichzeitig kann Soziale Arbeit mitwirken, das Wissen über Landschaften und die politische Bildung über die Zusammenhänge zwischen Landschaftsräumen und Lebensräumen zu verbreitern mit dem übergreifenden Ziel, sie aus den Nischen herauszuholen, in denen sie beispielweise im Kontext der Wiedervernässung von Mooren immer noch sind.
Literaturverzeichnis
Weitere Artikel dieser Ausgabe
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12 Jg. (2026) Ausgabe 1
Planetary HealthNaturtheoretische und ethische Implikationen von Planetary Health
Abstract Die im Planetary-Health-Konzept zum Ausdruck gebrachte menschliche Verantwortung für eine gedeihliche Entwicklung des gesamten Planeten ist theoretisch wie ethisch sehr voraussetzungsvoll und bislang noch kaum ausformuliert. Der vorliegende Beitrag will diese Lücke angehen. Es geht in diesem Beitrag aber nicht darum, dem Planetary-Health-Konzept weiter nachzuspüren, sondern um die Darstellung und Diskussion eines Natur- und Ethikverständnisses, das dieser Verantwortung gerecht werden könnte. Dafür wird auf das von Lovelock und Margulis entwickelte und von Latour politisierte Gaia-Modell der Natur zurückgegriffen, um daran anschließend die ethischen Implikationen des Modells herauszustellen und ihnen entlang des Vorschlags einer pluralistisch-holistischen Naturethik nach Martin Gorkes nachzugehen.
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12 Jg. (2026) Ausgabe 1
Planetary HealthPlanetary Health in der Praxis Sozialer Arbeit
Abstract Der Beitrag stellt am Beispiel der Rolle von Ernährung in der Sozialen Arbeit dar, wie Planetare Gesundheit als ethische Grundausrichtung in die Praxis integriert werden kann. Anknüpfend an die sozialarbeiterischen Grundwerte der Menschenrechte, Gerechtigkeit und Teilhabe wird herausgearbeitet, dass Ernährung weit mehr ist als die Versorgung mit Nährstoffen. Soziale Arbeit hat demnach vielmehr auch einen politischen Auftrag auf Strukturen hinzuwirken, die allen Menschen eine Ernährung ermöglichen, die die Planetare Gesundheit berücksichtigt. Anhand verschiedener Beispiele wird aufgezeigt, wie Planetare Gesundheit schon jetzt in der Praxis Sozialer Arbeit integriert wird.